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Interview mit Herrn Dr. Patyna zum Thema maskierte Hypertonie

Frage: Bei meinem letzten Besuch in der Kurpark-Klinik habe ich ein Plakat in Ihrem Arbeitszimmer entdeckt, das einen Vortrag für die Deutsche Herzstiftung ankündigt. Der Vortrag ist zwar erst am 24. November 2011, aber der Titel: „Die maskierte Hypertonie“ hört sich spannend an und hat mich neugierig gemacht. Können Sie mir im Vorfeld schon etwas darüber berichten.

Dr. Patyna:
Das Thema ist auch spannend. Es ist gewissermaßen ein medizinischer Krimi, in dem der Täter täglich etwa 2 Mio. Bundesbürgern schwere gesundheitliche Schäden zufügt, aber lange Zeit unerkannt bleibt. In vielen Fällen wird der Täter nie gefasst und die schweren Körperverletzungen bleiben ungesühnt.

Frage:
Wie habe ich das zu verstehen?

Dr. Patyna: Der Täter ist eine Bluthochdruckform, die mit der Praxis- oder Klinikmessung nicht diagnostiziert werden kann, weil bei diesen Hochdruckkranken die Blutdruckwerte bei Messungen in der Praxis oder Klinik normal ausfallen. Dagegen werden aber außerhalb der Praxis durch Langzeitblutdruckmessung oder Selbstmessungen erhöhte Blutdruckwerte gefunden. Die ständige Erhöhung der Blutdruckwerte unter Alltagsbedingungen führt dazu, dass Gehirn, Herz und Gefäße bei der maskierten Hypertonie fast genauso stark geschädigt werden wie durch eine bereits erkannte (manifeste) Hypertonie. Dies konnte in mehrere Studien mittlerweile eindeutig belegt werden.

Frage: Warum ist aber die Diagnose der maskierten, also versteckten,  Hypertonie so schwierig?

Dr. Patyna:
Das Problem liegt darin, dass diese Patienten bei der Praxismessung stets normale Blutdruckwerte haben und somit als Blutdruckgesunde eingestuft werden. In Wirklichkeit  sind diese Personen aber Bluthochdruckkranke (Hypertoniker), deren Werte sich beim Arztbesuch wie bei Menschen mit normalem Blutdruck verhalten, der erhöhte Blutdruck bleibt  versteckt. Daher der Name maskierte Hypertonie.

Die Blutdruckmessung in der Arztpraxis ist zwar die wichtigste Untersuchungsmethode zu Erkennung des erhöhten Blutdrucks, ein Nachteil besteht aber darin, dass es bei etwa 20 % der Untersuchten zu falsch positiven und bei 10 % zu falsch negativen Ergebnissen kommt. So werden bei etwa 20 % der Untersuchten erhöhte Blutdruckwerte gemessen, obwohl es sich um Blutdruckgesunde handelt. Wir nennen dieses Phänomen „Praxishypertonie“ oder auch „Weißkittelhochdruck“.Die richtige Diagnose ist jedoch einfach zu stellen, weil bei erhöhten Blutdruckwerten in der Praxis in den meisten Fällen Langzeitblutdruckmessungen durchgeführt werden, die zu einer genauen Einstufung und optimalen Therapie der Hypertonie erforderlich sind. Bei den Langzeitblutdruckmessungen finden sich dann stets normale Blutdruckwerte.

Schwieriger ist die Situation bei maskierter Hypertonie, die sich hinter den 10 % falsch negativen Messergebnissen verbergen. Auf Grund der normalen Blutdruckwerte in der Arztpraxis wird eine Hypertonie ausgeschlossen. Der Arzt sieht dann keinen Anlass bei normalen Blutdruckwerten noch mal eine Langzeitblutdruckmessung, die zu einer Demaskierung der Krankheit führen würde, vorzunehmen.

Frage:
Wie erkennt der Arzt aber dann, dass eine maskierte Hypertonie vorliegt? Man kann sicherlich nicht bei allen Praxisbesuchern die normale Blutdruckwerte aufweisen eine Langzeitmessung vornehmen.

Dr. Patyna:
Das ist vollkommen richtig. Es ist aber auch nicht notwendig bei jedem Praxisbesucher mit normalen Blutdruckwerten eine Langzeitmessung durchzuführen. Hier setzt jetzt die Detektivarbeit des Arztes ein. Diese besteht darin nach Spuren zu suchen, die auf eine manifeste Hypertonie hinweisen können. Verdächtig sind vor allem hypertonietypische Organschäden an Herz, Gefäßen, Gehirn und Nieren, die trotz normaler Blutdruckwerte in der Praxis nachweisbar sind. In diesen Fällen ist eine Langzeitblutdruckmessung vorzunehmen, die dann zur richtigen Diagnose führen wird. Eine große Hilfe wäre auch die Blutdruckselbstmessung, da bei der maskierten Hypertonie die Blutdruckwerte bei der Selbstmessung erhöht ausfallen. In der Regel führen aber diese Patienten keine Selbstmessungen durch, weil nur die bereits bekannten Hypertoniker Selbstmessungen durchführen.

Da die maskierte Hypertonie bei jüngeren Personen sehr selten ist, rate ich jedem Erwachsenen über 40 Jahren sich ein Gerät zur Blutdruckselbstmessung anzuschaffen und regelmäßige Messungen durchzuführen. Dies ist eine wichtige präventiv Methode, weil damit neben der manifesten Hypertonie frühzeitig die maskierte Hypertonie erkannt und behandelt werden kann.

Frage:
Wie sollte eine maskierte Hypertonie behandelt werden?

Dr. Patyna: Wie jede andere Hochdruckform ist die maskierte Hypertonie medikamentös und nichtmedikamentös zu behandeln, da das kardiovaskuläre Risiko erheblich erhöht ist. Bei der Behandlung ist besonders darauf zu achten, dass die Blutdruckwerte bei der Langzeitmessung und bei der Selbstmessung im normalen Bereich legen. Am 24. November werde ich ausführlich auf diese Zusammenhänge eingehen.

Frage:
Haben sie vielen Dank für das interessante Gespräch, das einen interessanten Vortrag erwarten lässt.

Das Gespräch führte Frau Regina Bracht, Redaktion

   
 

zuletzt aktualisiert am: 27.09.2011

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